KI-Start-ups ziehen die Gunst der Investoren auf sich
Die Finanzierungsrunden für österreichische Startups sinken weiter, vor allem ausländische Investoren halten sich zurück.

01.08.2024 um 07:08 von Susanne Bickel Die Presse auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle hinzufügen.
Wien. Die Euphorie um die künstliche Intelligenz (KI) hat auch die österreichische Start-up-Szene fest im Griff. Denn während das Volumen der Finanzierungsrunden für Start-ups insgesamt weiter sinkt, erhöht es sich im Sektor der KI. Wurden im ersten Halbjahr 2023 noch 365 Millionen Euro in österreichische Start-ups investiert, lag das Volumen im Vergleichszeitraum 2024 bei 298 Millionen Euro. Auch die Anzahl der Finanzierungsrunden sank von 95 auf 70 Stück. Das sind Ergebnisse des Start-up-Investment-Barometers der Beratungsorganisation EY Österreich in Zusammenarbeit mit Invest.austria. Berücksichtigt wurden dafür veröffentlichte Finanzierungsrunden von Unternehmen mit Hauptsitz in Österreich, deren Gründung höchstens zehn Jahre zurückliegt.
Grund für den Rückgang des Volumens gegenüber der Vorjahresperiode ist vor allem die geringere Anzahl kleinerer Deals im Umfang von bis zu einer Million. Hier wurden im bisherigen Jahresverlauf 38 gezählt, in der Vergleichsperiode hingegen 57.
Wenn Geldgeber investieren, setzen sie aber vorzugsweise auf Start-ups, die ihren Fokus auf die künstliche Intelligenz gerichtet haben. Als sogenanntes KI-Start-up gelte ein Unternehmen dann, wenn das Geschäftsmodell ohne künstliche Intelligenz nicht in der gleichen Art und Weise fortführbar wäre, sagt Florian Haas, Start-up-Experte von EY Österreich, im Gespräch mit der „Presse“. Denn auf die eine oder andere Art nutzt fast jedes Unternehmen die künstliche Intelligenz. 116 Millionen Euro und damit fast 40 Prozent des gesamten Finanzierungsvolumens flossen im ersten Halbjahr an Start-ups mit KI-Bezug. Das ist mehr als doppelt so viel wie in der Vorjahresperiode. Im ersten Halbjahr 2023 lag die Zahl nur bei 45 Mio. Euro und damit zwölf Prozent des Volumens. Von insgesamt 70 Finanzierungsrunden im ersten Halbjahr entfielen 20 Stück auf KI-Start-ups.
Die Finanzierungsrunde mit dem höchsten Volumen im ersten Halbjahr wurde von dem Linzer Start-up Storyblok abgeschlossen: fast 74 Millionen Euro. Wie bereits aus der Vergangenheit bekannt, verteilt sich das Gros der investierten Summe auf wenige Runden und Unternehmen. Neben Storyblock konnte noch das KI-Start-up Prewave eine erfolgreiche Finanzierungsrunde für sich verbuchen: rund 63 Millionen Euro.
Globaler Trend KI
Damit folgt Österreich einem globalen Trend. Denn weltweit pumpten Investoren zwischen April und Juni deutlich mehr Geld in die Entwicklung künstlicher Intelligenz als noch zu Jahresbeginn. Laut dem Branchendienst Crunchbase waren es 24 Milliarden Dollar und damit war die KI-Branche erstmal der größte Kapitalempfänger unter den jungen Firmen. Im ersten Halbjahr 2024 haben alle Start-ups weltweit 147 Milliarden Dollar frisches Geld erhalten. Das ist ein Minus von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Ein Grund für den Rückgang sind auch dort die gestiegenen Zinsen, die Kredite verteuern und andere Anlageklassen attraktiver machen.
Mehr heimisches Geld
In Europa fehlen die großen Tech-Player als Investoren. Start-ups, die auf hohes Finanzierungsvolumen hoffen, setzen daher auf Investitionen aus dem Ausland. Diese wurden zuletzt aber deutlich weniger: Nur elf Prozent des Investmentvolumens wurden von rein ausländischen Investorengruppen beigesteuert – das sind rund 34 Mio. Euro. 2023 lag die Zahl von internationalen Investoren noch bei 38% des Gesamtvolumens. Dafür stammt mittlerweile jeder sechste Euro (rund 51 Mio.) von rein heimisch besetzten Investorengruppen. Das sind 17% des Gesamtvolumens, im Vorjahr lag die Zahl noch bei zehn Prozent.